Diegereth in der Grafschaft Schwarzenburg

Aus diesem Ort stammt mein Vorfahr Jacob Girbert, der 1654 in Großhabersdorf die Dorothea Otth aus Unterschlauersbach geheiratet hat, wenn ich denn alles richtig gelesen habe:

Ich nehme an - mehr als ein Herumraten ist es bisher noch nicht - daß es sich um die Grafschaft Schwarzburg in Thüringen handelt, im Raum Rudolstadt-Saalfeld:

Eine andere Möglichkeit wäre das geographisch näher gelegene Schwarzenberg bei Scheinfeld.

Einen Ort, der "Diegereth" (oder auch nur entfernt ähnlich) heißt, habe ich in beiden Regionen bisher nicht finden können. In Thüringen bin ich auch nicht im Mindesten ortskundig, im Fränkischen schon eher. Wäre der Bräutigam aus Franken gekommen, würde ich aber einen etwas eindeutiger identifizierbaren Ortsnamen erwarten (auch anno 1654).

Kann mir jemand auf die Sprünge helfen?

Viele Grüße in die Runde
Susanne
 
An Glaubensflüchtlinge hab ich natürlich auch sofort gedacht und die Oberpfalz wäre nun noch ein neuer Kandidat - danke, Sven!

Warum ich überhaupt in Richtung Thüringen mutmaßt habe: auf der Namensverbreitungskarte bei genealogy.net (https://nvk.genealogy.net/map) findet man Girberts in Thüringen in etwa in dem Raum. Die Karte bildet zwar den Stand um 1890 ab, aber als Orientierung finde ich sie oft hilfreich.

Bei der Oberpfalz überlege ich, ob der Kirchenbuchschreiber das nicht dazugesetzt hätte, weil das halt eine Region war, die man wenigstens noch vom Hörensagen gekannt hat. Ich muß mal daraufhin gezielt vor und nach dem Traueintrag von Jacob Girbert ein paar Seiten lesen, wie das in Großhabersdorf gehandhabt worden ist. Und ich muß nachschauen, wann die Region um Nittenau rekatholisiert worden ist. Los geht's ...
 

Wäre sowohl hinsichtlich des Namens als auch der geografischen Lage naheliegender als die thüringische Grafschaft Schwarzburg, aber möglicherweise war die Bezeichnung "Grafschaft" zum relevanten Zeitpunkt schon nicht mehr üblich:



Wirklich nur geraten (da lautlich entfernt verwandt): Teichröda (https://de.wikipedia.org/wiki/Teichröda) bei Rudolstadt.

Um 1600 gab es dort einen Pfarrer namens Nikolaus Girbert (https://www.google.de/books/edition...bert&dq=teichröda+girbert&printsec=frontcover), was für sich genommen natürlich noch nicht viel heißt, zumal er auch bald "weitergezogen" ist; generell war der Familienname aber auch im 17. Jh. in der Umgebung offenbar des Öfteren anzutreffen (https://gedbas.genealogy.net/search/simple?lastname=girbert&firstname=&placename=&timelimit=none).

Leider reichen die Teichröder Kirchenbücher nicht weit genug zurück, wobei der Güldenapfel (https://wiki.genealogy.net/Die_evangelischen_Kirchenbücher_Thüringens_(Güldenapfel)/32) noch von einem frühen Beginn (1598) "spricht", während im Archiv in Eisenach (https://www.landeskirchenarchiv-eis...a6b0df6d4ec801ab/kibuli-gesamtliste(2021).pdf - Seite 30) keinerlei Spuren dieser ersten Bücher zu entdecken sind. Ob und inwieweit die alten Teicheler Bücher (https://www.archion.de/p/5d580fc109/) hier noch weiterhelfen könnten, ist unklar.

Und vielleicht findet sich in der Grafschaft Schwarzburg-Rudolstadt - sie wurde von 1599 bis 1710 so bezeichnet, erst danach als "Fürstentum", in dieser Hinsicht würde sie also in Frage kommen - bzw. im Territorium von Schwarzburg-Sondershausen ja noch ein Ort, welcher eine noch etwas ausgeprägtere Lautähnlichkeit aufweist.
 
Curiosita, herzlichen Dank!
Der Pfarrer Girbert ergänzt meine Information aus der Namensverbreitungskarte ja wunderbar. An Gedbas hätte ich auch mal denken können, wo ich mich schon bei den Computergenealogen herumgetrieben habe ... (wo ist der Ans-Hirn-Patsch-Smiley?).

Mittlerweile habe ich auch die zweite Nennung der Trauung in Dietenhofen angesehen:

Auch da ist "Diegereth" wieder gut zu lesen.

Ich habe schon öfter darüber sinniert, wie wohl die verschiedenen mundartlichen Färbungen der Zugezogenen in der Zeit der Exulanten-Zuzüge von den Pfarrern (in diesen Fällen, in Großhabersdorf und Dietenhofen, waren es beides gebürtige Franken) wohl umgesetzt worden sind, wobei ich davon ausgehe, daß diese mundartliche Aussprache im 17. Jahrhundert noch deutlich stärker ausgeprägt war. Und dann Orte niederzuschreiben, die man nicht mal vom Hörensagen gekannt hat!

Wenn ich hier
so lese ...
Trotz der geographischen Nähe zu Oberfranken klingt das doch reichlich anders, im Unterschied zum eindeutig fränkischen Zungenschlag im Hennebergischen und im Itzgrund.

Na, dann werd ich mal Landkarten studieren gehen!
 
Hallo,
ja dort steht wieder der selbe Name.
Warum sind mehre Familienmitglieder ausgewandert ?
Ich denke das es doch mit der Religion zu tun hat.

Damit kommt Thüringen nicht in Frage !

Sven
 
Sven, das ist wieder der Jakob Girbert, kein neues Familienmitglied.

Religion war sicher zu der Zeit der hauptsächliche Grund für eine Auswanderung, klar. Dennoch denke ich: die Häufung des Familiennamens im genannten Raum (sei es im 19. Jh. über die Namensverbreitungskarte oder über die Zeiten in GEDBAS) und auch die Deutung von "-reth" als "-roda" beim Ortsnamen (finde ich sehr plausibel) sprächen für die Grafschaft Schwarzenburg (mit Unterlinien) im Thüringischen.
Möglicherweise geht es auch um einen Ort mit der Endung "-gereuth", das kommt da auch öfter vor (z. B. Arnsgereuth, Wittmannsgereuth).

Schade, daß man bei den Teichrödaer Kirchenbüchern nicht weiterkommt!

Beim Graben in Ancestry habe ich im KB Heilingen (liegt auch in der Gegend) einen Georg Görbert in Saalfeld (Heirat 1624) gefunden, leider ein Hufschmied und kein Bauer wie der Vater "meines" Jakob, der ja auch Georg heißt.
Für Ancestry-Abonnenten hier der Link:
 
so steht es im Brennerarchiv:

Wie ich es hier lese wie auch in der Eintrag im Trauregister von Dietenhofen steht hier immer Grafschaft Schwarzenburg und nicht Schwarzenberg.

Denke das ist ein wichtiger unterschied, oder habe ich mich verlesen ?
 
-burg lese ich auch in beiden Fällen - in Dietenhofen eher "Schwarzburg", in Großhabersdorf eindeutig "Schwarzenburg".
 
ja so lese ich es auch, damit sollte die Herrschaft Schwarzenberg dann nicht in Frage kommen.
Ja mit der Verteilung des Namens deutet vieles auf Thüringen hin.

Es gibt da wohl 2 Linien die jeweils einen Graf hatten.

Grafschaft in Thüringen, welche in zwei Theile abgesondert wird, nämlich in die Obergrafschaft gegen Süden, zwischen dem weimarischen und coburgischen Gebiete, und die Untergrafschaft gegen Norden, zwischen den Grafschaften Stollberg und Hohenstein.

Das Gebiet wäre ziemlich Weitläufig, aber das zwei Pfarrer gleichzeitig einen Ort " Diegereth" so ins Kirchenbuch notiert haben und so nicht zu finden ist.

Liebe Grüße

Sven
 
Beim Graben in Ancestry habe ich im KB Heilingen (liegt auch in der Gegend) einen Georg Görbert in Saalfeld (Heirat 1624) gefunden, leider ein Hufschmied und kein Bauer wie der Vater "meines" Jakob, der ja auch Georg heißt.
Das könnte durchaus derselbe sein, der in diesem Saalfelder Namensverzeichnis genannt wird:



Ich habe schon öfter darüber sinniert, wie wohl die verschiedenen mundartlichen Färbungen der Zugezogenen in der Zeit der Exulanten-Zuzüge von den Pfarrern (in diesen Fällen, in Großhabersdorf und Dietenhofen, waren es beides gebürtige Franken) wohl umgesetzt worden sind, wobei ich davon ausgehe, daß diese mundartliche Aussprache im 17. Jahrhundert noch deutlich stärker ausgeprägt war. Und dann Orte niederzuschreiben, die man nicht mal vom Hörensagen gekannt hat!
Ein als "ie" ausgesprochenes "ei" würde man spontan wohl auch eher im norddeutschen Raum verorten (Deich -> Diek). Jedoch scheint auch im Falle von Teichröda, wie so oft, die Volksetymologie "zugeschlagen" zu haben, und aus einem einstmals slawischen Vornamen, mit "Tech-" beginnend, wurde irgendwann ein "Teich" (https://de.wikipedia.org/wiki/Teichröda).

So richtig "glücklich" wäre ich mit dieser Lösung aber auch nicht; sollten sich jedoch keine weiteren Alternativen ermitteln lassen, könnte man zur Not noch Erbzinsregister o.ä. Dokumente heranziehen, ein Unternehmen, das sich, da i.d.R. mit einem Archivbesuch verbunden, natürlich eher aufwendig gestaltet.

(Ein Dögerode - kirchlich angeblich zu Kalefeld gehörig - habe ich noch entdecken können, es liegt aber leider abseits des Schwarzburg-Sondershausener Territoriums: https://www.openstreetmap.org/search?query=dögerode#map=16/51.79982/10.06476).

Vielleicht tut sich ja doch noch Überzeugenderes auf. Ergänzend noch eine Karte, an welcher man die einstmalige Ausdehnung von Schwarzburg-Rudolstadt (und auch Schwarzburg-Sondershausen) in etwa ablesen kann: https://www.oldmapsonline.org/de/Ka...f08#position=9.8861/50.6982/11.0492&year=1698
 
Curiosita, vielen herzlichen Dank für diese Links! Insbesondere die Landkarte - nach sowas habe ich schon länger gesucht. Thüringen ist für mich bislang noch absolute terra incognita.

Die (mögliche) Umlautung von ie zu ei hat mich auch beschäftigt. "Nebenher" lese ich gerade in kleinen Häppchen Anthony Rowleys Geschichte des Bairischen (https://www.verlag-pustet.de/shop/i...risch-von-anthony-r-rowley-kartoniertes-buch#) und erinnere mich dabei sehr finster an mein lang zurückliegendes einziges Semester Sprachwissenschaft ... Das ist alles sehr verschüttet irgendwo im allerhintersten Hirnkastl. Mal schauen, was ich da noch zutage fördern kann.

Die Auflistung in "Saalfelder Familiennamen" zeigt sehr schön die Variationsbreite! Das kann einen, insbesondere zu Beginn der Beschäftigung mit der Familiengeschichte, ja übel aufs Glatteis führen.
 
Die (mögliche) Umlautung von ie zu ei hat mich auch beschäftigt. "Nebenher" lese ich gerade in kleinen Häppchen Anthony Rowleys Geschichte des Bairischen (https://www.verlag-pustet.de/shop/i...risch-von-anthony-r-rowley-kartoniertes-buch#) und erinnere mich dabei sehr finster an mein lang zurückliegendes einziges Semester Sprachwissenschaft
(y)

Eine schöne Website mit Dialekt-Audios aus (dem heutigen) Bayern (inklusive anspruchsvollem Quiz):

 
Insbesondere die Landkarte - nach sowas habe ich schon länger gesucht.

Alles hier bei Archion zu finden. :giggle:

 
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